Denk mal nach: Wo schaust du hin…?
Der Ausdruck „über den eigenen Tellerrand hinausschauen“ ist bekannt. Damit ist gemeint, dass wir nicht nur unsere eigene kleine Welt, sondern auch andere Dinge und Menschen um uns herum sehen und wahrnehmen.
So können wir dazulernen, Gutes entdecken, wie auch Dinge erkennen, die wir besser machen können.
Meine Erfahrung ist jedoch, dass es manchmal besser ist, wenn ich mich auf meinen eigenen Teller konzentriere,
und nur auf das, was ich serviert bekomme. Denn der Blick über den eigenen Tellerrand kann auch Ungutes hervorbringen, wie Neid und Undankbarkeit. Aber das Schlimmste sind…die Zweifel.
Wenn ich über meinen eigenen Tellerrand hinausschaue, dann kann es passieren, dass manche Dinge auf einmal doch nicht so klar erscheinen, wie ich bisher geglaubt habe. Auch wie ich Gott wahrnehme und wie ich über ihn denke,
kann sich dadurch verändern. In meinem eigenen Leben erfahre ich Gott als meinen Versorger, Beschützer, Freund und Begleiter. Er geht mit mir selbst durch dunkle Täler und lässt mich niemals im Stich. Ich kann im Gebet zu ihm reden,
ihm all meine Sorgen abgeben und bei ihm innere Ruhe finden. Doch wenn ich auf den Teller anderer Menschen neben mir schaue, in ihr Leben hinein, dann kommen manchmal Fragen und Zweifel auf…
Warum geht es manchen so schlecht? Warum greift Gott nicht ein, obwohl sie ihn verzweifelt darum bitten?
Ist er wirklich gut und voller Liebe? Können Menschen wirklich darauf vertrauen, dass er weiß, was er tut,
und dass er immer die Kontrolle behält?
Egal wie lange ich grübele und nach dem Wieso und Warum frage, Antworten auf alles werde ich nicht bekommen.
Es ist für mich als Menschen unmöglich, alle Zusammenhänge zu durchblicken und zu verstehen, warum Gott bei manchen Menschen bestimmte Dinge zulässt und sie bei anderen doch verhindert.
Es wäre aber schade und traurig noch dazu, wenn ich Gottes Liebe und Fürsorge anzweifle, obwohl ich sie selbst erlebe und auch im Leben vieler Menschen sehe, nur weil ich nicht erklären kann, was im Leben mancher anderen passiert.
Es ist dann besser, wenn ich mich auf das konzentriere, was in meinem Leben geschieht. Auf das, was auf meinem Teller ist. Auf Gottes Barmherzigkeit, Weisheit und Macht, die er mir zeigt. Sonst laufe ich Gefahr, dass mein persönlicher Glaube ins Schwanken kommt. So aber kann ich keine Stütze für andere sein, die in ihren Schwierigkeiten meinen Trost und meine Hilfe brauchen.
Ja, ich schaue lieber nicht über den eigenen Tellerrand hinaus, wenn das mich dazu bringt, Gottes Güte anzuzweifeln, weil ich die schwerverdauliche Kost auf dem Teller anderer nicht erklären kann. Wenn jedoch der Blick auf meines Nächsten Teller mich dazu bringt, etwas von meinem saftigen Braten oder frischen Salat abzugeben, falls ich grade so etwas auf dem Teller habe, dann will ich diesen Blick wagen.
Und wer weiß? Vielleicht erlebe ich dann auch, dass, ein geteilter Braten doppelt so gut schmeckt, und ein geteiltes Leid nicht unbedingt ein halbes Leid ist, aber auf jeden Fall leichter zu schlucken…
Um eine ältere Version dieses Beitrags anzuhören, bitte auf den Play-Pfeil klicken!
