Denk mal nach: Zu welcher Clique willst du gehören…?
Was, wenn ich damals gelebt hätte, als Jesus mit seinem Gefolge durch die Straßen zog? Vielleicht käme er dann auch durch den Ort, in dem ich wohnte…
Ich sehe mich am Straßenrand stehen. Ich sehe Jesus und seine Jünger, wie sie kommen und wie sie sich miteinander unterhalten. Manche heiter, manche ernst. Sie sind mit ihrem Rabbi und Meister unterwegs. Ich spüre ihren vertrauten Umgang mit ihm, der aber auch von Respekt und Achtung geprägt ist. Denn der Herr Jesus ist anders als andere Gelehrte. Wer bei ihm ist, erlebt Barmherzigkeit, Weisheit, Gerechtigkeit, Macht und Autorität in ihrer vollkommenen Form.
Ich spüre auch ihre Spannung. Was kommt als Nächstes? Wird der Herr vielleicht wieder ein Wunder tun? Kommt jemand zu ihm, der Hilfe oder Heilung braucht? Oder wird der Meister zu ihnen, seinen Jüngern, oder auch zu den Menschen sprechen? Worte des Lebens, die Licht und Veränderung bringen?
Sie alle laufen an mir vorbei. Und dann sehe ich sie. Frauen. Ja, es sind auch Frauen dabei. Einige! Sie sind auch mit dem Herrn unterwegs, erleben ihn ganz nah. Wenn er loszieht, ziehen sie mit ihm los. Wenn er Rast macht, dann sind sie da, um ihm und allen bei ihm zu dienen und sie zu versorgen. Sie kümmern sich um das Praktische, um Essen, Trinken, um alles, was die Gruppe braucht. Sie wirken vielleicht eher im Hintergrund, doch ihr Dienst ist unverzichtbar! Sie halten Jesus und seinen Jüngern den Rücken frei… Bewundernswert!
Jesus hätte mir damals am Straßenrand wahrscheinlich nicht wie bei seinen Jüngern direkt gesagt: „Folge mir nach!“ Aber allein diese treuen Dienerinnen und Jüngerinnen zu sehen, hätte es gereicht, dass ich mich selbst frage: Willst du auch in dieser „Clique“ sein? Eine spannende und überaus wertvolle Zeit mit Jesus erleben? Ihm ganz direkt und persönlich dienen? Seine Worte hören, seine Wunder sehen? Lernen, mich und das Leben aus Gottes Perspektive zu betrachten? Antworten auf meine Fragen zu bekommen und zu erleben, was echte Freiheit und ewige Hoffnung praktisch bedeuten? Ja, das wäre mit Sicherheit schön! Damals…
Und was ist mit jetzt und hier? Jesus nachzufolgen, zu lernen durch seine Augen zu sehen und ihm zu dienen, das geht auch heute, wenn auch in einer anderen Form. Vieles kann ich von diesen Jüngerinnen lernen. Deshalb will ich sie etwas genauer betrachten. Wer waren diese bemerkenswerten Frauen?
Eine von ihnen war Maria Magdalena. Es heißt, aus ihr waren sieben Dämonen ausgetrieben worden. Das ist ein Hinweis, dass sie eine sehr geplagte Frau war, die bei Jesus Heilung fand und die Kraft, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Sie ließ ihre belastende Vergangenheit und ihr altes Leben zurück und ergriff mutig die Chance auf einen neuen Anfang, in der Nachfolge und Nähe Jesu. Sie wurde in den Kreis der anderen Jünger und Jüngerinnen aufgenommen, brachte sich mit ihren Gaben ein und fand Geborgenheit, Unterstützung und ein neues Zuhause. Von ihr lerne ich, dass es lebenswichtig ist, nicht bei dem stehen zu bleiben, was nicht gut gelaufen ist, sondern das Vergangene loszulassen und neue Schritte zu wagen, im Vertrauen auf meinen Herrn. Und dass es gut ist, nicht alleine unterwegs zu sein, sondern mit Menschen zusammen, für die ich eine Stütze in der Nachfolge sein kann und sie für mich.
Eine andere Jüngerin war Johanna. Ihr Mann Chusas war Verwalter am Hof des Königs Herodes. Scheinbar gehörte sie zu den höheren gesellschaftlichen Schichten unter dem jüdischen Volk, etwas, das vermuten lässt, dass sie wohlhabend war. Doch das hielt sie nicht davon ab, gewisse Privilegien und Annehmlichkeiten zurückzulassen und die ganze Gruppe auch finanziell zu unterstützen. Mit Jesus und seinen Jüngern unterwegs zu sein, war ihr viel wert. Vielleicht, weil sie auch zu diesen Frauen gehörte, die Jesus von ihren Leiden geheilt hatte und die ihm dafür unendlich dankbar war. Vielleicht erkannte sie aber auch, dass nicht Wohlstand, materielle Dinge und Ansehen den Durst der Seele nach Frieden, Geborgenheit und Sicherheit stillen können, sondern allein Jesus und die Nähe zu ihm. Auch eine wichtige Lektion für mein Leben!
Bei Susanna könnte es ähnlich gewesen sein, denn auch sie folgte Jesus nach und unterstützte die Gemeinschaft finanziell wie auch anderweitig. Zusammen mit Maria Magdalena und Johanna wird sie namentlich als eine der Frauen erwähnt, die Jesus geheilt hatte.
Zwei anderen Jüngerinnen Jesu werden auch besonders erwähnt. Maria und Salome. Sie waren unter den Frauen, die Jesus von Galiläa nach Jerusalem begleiteten und ihm auf diesem langen Weg dienten. Dazu kommt, dass ihre Söhne auch unter den Jüngern Jesu waren, und so unterstützten diese Mütter mit ihrem Dienst und ihren Einsatz für Jesus auch ihre eigenen Kinder in ihrem Glauben und bei ihrer Nachfolge. Sie ahnten es damals noch nicht, aber sie haben viel dazu beigetragen, dass ihre Söhne später als Gesandte des Herrn die gute Nachricht verbreiten, Vergebung und Rettung predigen und dadurch die Welt verändern. Auch wenn das mit Widerstand, Leid und Verlust verbunden war.
Mein persönlicher Beitrag, ob groß oder klein, kann eine große Rolle in Gottes Plan spielen, wenn ich bereit bin, andere nach meinen Möglichkeiten zu unterstützen. Auch das lerne ich von diesen Jüngerinnen.
Maria, Johanna, Susanna, Salome und viele andere, sie alle laufen in Gedanken an mir vorbei. Ihr Beispiel zeigt mir, wie praktische Liebe gelebt wird und wie Loyalität und Nachfolge aussehen können. Ich lerne von ihnen, dass mit Jesus zu gehen und ihm zu dienen, mit Kosten und Mühe verbunden ist, aber dass dies auch die größte Belohnung mit sich bringt. Denn nur die Nähe und die Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus schenken inneren Frieden, Geborgenheit und Freiheit. Mit ihm unterwegs zu sein, bei ihm zu sein, gibt meinem Leben den wahren Sinn, und seine Zusagen geben meiner Zukunft eine begründete und ewige Hoffnung.
Ich sehe mich, wie ich am Straßenrand stehe. Doch ich will nicht dort stehen bleiben. Ich möchte auch zu dieser „Clique“ gehören. So mache ich mich auch auf den Weg, zusammen mit allen, die damals und auch heute Jesus folgen wollen.
Und ich vertraue auf seine Worte, die Worte des Meisters:
Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.
Ich bin das Licht der Welt.
Wer mir nachfolgt, wird nicht im Dunkeln wandeln,
sondern er hat das Licht, das ihn zum Leben führt.
(Jesus in Johannesevangelium 14,6 und 8,12)
