Der letzte Titel …

Denk mal nach: Wie wird man dich anreden…?

Wenn das Leben eines Menschen zu Ende geht und ihm die letzte Ehre erwiesen wird, ist es oft sehr bewegend, an das Gute zu denken, das dieser Mensch hinterlassen hat. Wir hören oft: Ein treuer Freund, ein hilfsbereiter Mensch, ein verlässlicher Kollege, ein Mensch mit großem Herzen, ein Vorbild, ein Hoffnungsträger, ein Ermutiger, ein Glaubensmensch. Das könnte fast wie ein Titel wirken, der am Ende diesen Menschen und sein Leben bezeichnet.
Der letzte Titel, der in Erinnerung bleibt …

Ich frage mich: Wie würde ein solcher Titel lauten, wenn ihn nicht Menschen jemandem verleihen würden, sondern Gott selbst? Was wäre mein letzter Titel? Ich weiß es nicht. Aber ich wünsche mir, dass das ein guter Titel sein wird! Möglicherweise wird er anders lauten als die würdevollen Worte bei einer Trauerrede. Aber er wird der gewichtigste Titel sein, denn er stammt von Gott selbst, der mich und mein Leben vollkommen kennt.

Faszinierend und sehr bemerkenswert finde ich deshalb, was Gott zu Josua sagte, nachdem Mose gestorben war.
Das steht im Buch Josua, Kapitel 1: „Mein Knecht Mose ist gestorben. Und nun mach dich auf, geh über den Jordan,
du und dieses ganze Volk, in das Land, das ich ihnen, den Kindern Israel, gebe!“

Die Worte „Mein Knecht Mose“ springen mich an und berühren mich tief. Das Wort mein zeigt mir Gottes Anerkennung für Mose. Und so bekommt auch das Wort Knecht oder Diener die Bedeutung eines ehrenvollen Titels. Nicht jeder trägt den Titel „Gottes Diener“. Hier verleiht ihn Gott selbst einem Menschen. Sicher, jeder, der zu Gott gehört und sein Leben mit Gott und für Gott lebt, kann und sollte sich als einen Diener Gottes betrachten. Doch ich empfinde es als eine besondere Ehre, wenn Gott selbst jemanden so nennt. Denn es zeigt mir, dass Gott hinter diesem Menschen steht und dessen Lebenswerk anerkennt. In Gottes Augen hat sich dieser Mensch bewährt. Er gehört zu denen, die, wenn sie einmal vor ihrem Herrn stehen, die Worte hören werden: „Gut gemacht, du guter und treuer Diener, geh hinein in die Freude deines Herrn!“

Zum Diener Gottes sein gehört allerdings auch, Diener Gottes sein zu wollen.  Das wird darin deutlich, wie es mit Josua nach dem Tod von Mose weitergeht. Gott überträgt die Verantwortung an Josua. So wie Mose soll auch Josua ein Diener Gottes werden. Gott traut es Josua zu, doch letztlich ist es Josuas Entscheidung, ob er bereit ist, diesen Dienst anzunehmen mit allem, was dazugehört. Wenn er den Auftrag annimmt und Gottes Wegweisungen befolgt, dann gelten auch die wunderbaren Zusagen, die Gott ihm gibt. In den Versen, die folgen, wird es konkret: Gott sagt Josua zu, dass er mit ihm geht, alle Tage seines Lebens. Er steht mit seiner Macht an seiner Seite und hilft ihm, das Volk nach Gottes Willen und Plan zu leiten. Gott räumt Hindernisse aus dem Weg und bestärkt, beschützt und bestätigt seinen Diener. Er lässt ihn nicht im Stich.

Das sind Gottes Zusagen, die in Kraft treten, wenn Josua alles beachtet, was Gott sagt, nicht davon abweicht und keine falschen Kompromisse eingeht. Das erfordert Stärke und viel Mut! Doch nur so kann der Auftrag gelingen, den Gott einem Menschen gibt, ob dieser Auftrag groß ist oder klein. Es war damals bei Josua so, und so ist es auch heute.

Josua bekam von Gott eine Leitungsaufgabe. Dafür musste er wissen, was Gott will und was in Gottes Augen gut ist. Anderweitig, hätte er sich selbst und das ganze Volk in die Irre führen können. Die wenigsten Christen bekommen heute eine solche Über-Aufgabe. Doch ich denke, eine Art Leitungsaufgabe hat jeder Christ in dieser Welt. Das hängt mit der Vorbildfunktion zusammen. Wenn ich an Gott glaube und Jesus nachfolge, dann lautet mein Auftrag, Gott, seinen Willen und seinen guten Plan für die Menschen bekannt zu machen. Nicht nur mit Worten, sondern indem ich auch ein Leben führe, das meinen Glauben widerspiegelt. So kann ich ein Vorbild sein, ein Licht, das andere Menschen auf den richtigen Weg leitet. Das ist in gewisser Weise eine Leitungsaufgabe. Um diese verantwortungsvoll durchführen zu können, muss ich mit Gottes Gedanken und Richtlinien vertraut sein.  In der Bibel zu lesen, das Gelesene in Gedanken zu bewegen und mit Gott im Gebet darüber zu reden, ist deshalb unverzichtbar. Und genauso notwendig ist auch das Gebet um Mut und Stärke, um im Leben nach Gottes Anweisungen zu gehen und auch andere mit auf diesen Weg zu nehmen.

Überraschend und gleichzeitig sehr aufschlussreich ist für mich, dass Gott Josua nicht nur ermutigt, stark und mutig zu sein, sondern ihm das Gebot dafür gibt. Im Vers 9 steht: „Habe ich dir nicht geboten: Sei stark und mutig? Erschrick nicht und fürchte dich nicht! Denn der HERR, dein Gott, ist mit dir überall, wohin du gehst.“

Ein Gebot, etwas zu tun, finde ich persönlich einfacher, wenn auch nicht unbedingt leicht, als ein Gebot, etwas zu sein. Wie kann ich stark und mutig sein, wenn ich mich nicht stark und mutig fühle? Doch gerade in solchen Momenten der Herausforderung, des Zweifels und der Unsicherheit, kann mir dieses Gebot, „Sei stark und mutig!“, eine sehr praktische Hilfe sein, um im Vertrauen auf Gott weiterzugehen. Ich kenne zwar in der Regel nicht so klar wie Josua Gottes Auftrag und seinen Plan für mich, und weiß nicht immer welche Schritte ich genau gehen muss. Aber ich kann mich auf den Weg machen, weil ich mit Gottes Führung rechne. Ich weiß, dass Gott mich leitet, indem er manche Türen öffnet und andere schließt, um meine Schritte in die richtige Richtung zu lenken. Und ich weiß, dass er in mir „das Wollen und auch das Tun bewirken kann, nach seinem Wohlgefallen“, wie Paulus den Philippern schreibt. Gott kann mein Herz und meinen Verstand so lenken, dass ich das will, was auch er will. Etwas, wofür ich auf meinem Weg als Diener Gottes immer beten kann!

Ja, ein Diener Gottes zu sein, erfordert Stärke, Willenskraft, Aufrichtigkeit und die Bereitschaft, sich unter die Leitung Gottes zu stellen und nach allen seinen Weisungen zu leben. Und doch beruft Gott dazu ganz normale Menschen mit Stärken und Schwächen. Ob bei großen Aufgaben wie denen von Mose und Josua oder bei kleineren, alltäglichen und weniger spektakulären Aufgaben, steht Gott immer an der Seite seiner Diener. Er stärkt sie, er bestätigt sie und er leitet sie.

Gott zu dienen ist nicht immer leicht, doch es ist der Mühe wert! Denn es wird belohnt mit Gottes Anerkennung und mit einer der höchsten Auszeichnungen, die Gott einem Menschen gibt: „Mein Diener“! Ein letzter Titel, der jedoch nicht nur das Lebensende eines Menschen in dieser Welt markiert, sondern auch seinen neuen Lebensanfang in Gottes ewiger Welt!

Sein Herr sprach zu ihm: Gut gemacht, du guter
und treuer Diener! Über weniges warst du treu,
über vieles werde ich dich setzen.
Geh hinein in die Freude deines Herrn.…

(Matthäusevangelium 25,22)

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