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Damals in Phönizien

Denk mal nach: Soll es dir nach deinem Glauben geschehen?

Phönizien, das nördliche Nachbarland von Israel, zurzeit Jesu. Nach einer Begebenheit aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 15.

„Wie viele Tränen hatte sie vergossen! Wie lebensverzehrend musste es gewesen sein, Tag für Tag ihr Kind so leiden zu sehen und nichts dagegen tun zu können! Gegen die Verzweiflung zu kämpfen und zu versuchen, nicht auch den letzten Tropfen Hoffnung zu verlieren!

Doch an jenem Tag schöpfte sie neue Hoffnung. Sie hörte, dass der Heiler, Jesus aus Nazareth, in ihrer Gegend war. Wenn jemand helfen kann, dann er! Der Herr, der Auserwählte Gottes, von dem die alten Propheten schon vor langer Zeit geschrieben hatten. So vielen hatte Jesus geholfen, so viele hatte er geheilt. Sie wusste, was sie tun musste. Sie würde ihn aufsuchen und ihn um Hilfe bitten.

Diese geplagte Frau eilte zu Jesus. Mit neuer, großer Hoffnung in ihrem Herzen, die ihr Flügel gab, sie aber auch in große Anspannung versetzte. Die Frage brannte in ihr: ‚Wird alles gut gehen? Ist das wirklich der Tag, an dem der Albtraum ein Ende haben wird?‘

Endlich traf sie auf Jesus und seine Jünger. Die schwere Last, die sie mit sich schleppte, die Hilflosigkeit, das lange, verzehrende Bangen zwischen Hoffnung und Verzweiflung, die überwältigende Anspannung lösten sich in einem lauten Hilferuf auf: ‚Herr, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!‘“

Wüsste ich nicht, wie diese Geschichte ausgeht, hätte ich sie in etwa so weitererzählt: Wie schon oft, blieb Jesus stehen, schaute die arme Frau mit Gnade und Mitgefühl an und belohnte ihren Glauben, indem er ihre Bitte erhörte. Doch es lief nicht wie erwartet ab …

„Jesus antwortete ihr nicht ein Wort. Sein Auftrag, seine Priorität war zunächst die Menschen aus dem Volk Israel. Nicht die Phönizier oder die anderen Völker. Auch nicht diese Frau. Was das in ihr ausgelöst haben musste! Spüren, wie der letzte Ast, an dem sie sich noch festhalten konnte, aus ihrer Hand glitt. Nein, das durfte nicht sein! So schnell würde sie nicht aufgeben, zu viel stand in diesem Moment auf dem Spiel!

Sie rappelte sich auf und setzte ihre Hoffnung auf einen letzten Versuch. Sie kam zu Jesus, fiel vor ihm nieder und bat ihn noch einmal: ‚Herr, hilf mir!‘ Ihr Mund sprach nur drei Wörter, aber ihr Herz sprach mehr: ‚Herr, hilf mir, weil du es als Einziger kannst! Herr, hilf mir, weil du gnädig und barmherzig bist! Herr, hier bin ich, ich vertraue nur auf dich!‘“

Ich bin mir sicher, dass Jesus ihr Herz hören konnte. Ihm waren die Aufrichtigkeit, der Ernst, die Ehrfurcht und das Vertrauen dieser Frau nicht entgangen. Der Herr kannte ihr Herz und ihre Herzenshaltung. Es war die Herzenshaltung, die ein Mensch haben soll, wenn er zu Gott kommt. Vielleicht wollte der Herr genau das zeigen, deshalb gab er dieser Frau nicht sofort, was sie sich wünschte, sondern testete sie, so könnte man fast denken, mit den Worten: „Es ist nicht richtig, den Kindern das Brot wegzunehmen und es den Hunden hinzuwerfen.“

Das musste die Frau aus Phönizien erstmal schlucken. Mir wäre es jedenfalls so gegangen. Das eigene Kind so geplagt sehen zu müssen, weiterzumachen, obwohl das Leben hart zuschlägt und einem die letzte Kraft abverlangt, auf einmal wieder Hoffnung zu schöpfen, dass die schlimmen Zeiten vorbei sein werden, um am Ende doch nur Enttäuschung und Erniedrigung zu erfahren …

Es mag uns sehr hart vorkommen, wenn wir lesen, wie Jesus diese Frau abwies, sogar mit beleidigenden Worten. Aber ich frage mich, ob er es tat, um durch ihre bemerkenswerte Reaktion etwas sehr Wichtiges zu zeigen. Nämlich, dass ein Glaube, der sich nicht so schnell erschüttern lässt, und die Fähigkeit, sich vor Gott für niedrig zu halten, einen hohen Wert in Gottes Augen haben und seine Anerkennung verdienen. Diesen Glauben hat Jesus bei dieser Frau aus Phönizien gesehen. Und das war der Grund, warum er schließlich ihren Glauben und ihre Herzenshaltung belohnte und ihre Bitte erhörte.

Das sehen wir auch bei anderen Begebenheiten, nicht zuletzt auch ein paar Kapitel vorher im Matthäusevangelium, in Kapitel 8, als der Herr Jesus den Diener eines römischen Hauptmanns heilte. Auch dieser Hauptmann erkannte Gottes Größe und war sich bewusst, wie klein und unwürdig er vor Jesus war. Auch er hatte den festen Glauben, dass Jesus nur mit einem Wort alles verändern konnte. Und auch er gehörte nicht zu den Schafen des Hauses Israel. Doch Jesus sagte ihm die Worte: „Dir geschehe, wie du geglaubt hast!“ Das zeigt, dass für Gott nicht die Herkunft oder der Hintergrund eines Menschen zählt, sondern das Herz, ob fester Glaube, Aufrichtigkeit und Achtung vor Gott dort zuhause sind. Denn nachdem Jesus den vorbildlichen Glauben dieses Mannes gelobt hatte, sagte er noch etwas, das den kompletten Plan Gottes und sein Anliegen für die ganze Menschheit offenbarte: „Viele Menschen aus aller Welt werden kommen und zusammen mit Abraham, Isaak und Jakob das Freudenfest im Himmel feiern.“

Zwischen diesen Worten von Jesus und mir heute liegen etliche Jahrhunderte. Doch seine Worte gelten auch für mich. Ich sehe mich auch unter dieser Menschenmenge aus aller Welt, unter den Eingeladenen zu Gottes himmlischem Freudenfest. Und nichts anderes auf dieser Welt kann mir Freude und Hoffnung mit ewiger Perspektive geben wie diese Zusage von Gottes Sohn.

Bis es so weit ist, bis zum Freudenfest Gottes, wünsche ich mir, dass mein Glaube wächst und immer fester wird. Ich will lernen, mein ganzes Leben, meine Wünsche und Pläne, meine Wege Gott komplett anzuvertrauen, weil ich ihn dadurch ehre und ihm den Platz in meinem Leben einräume, der ihm als höchste Autorität gehört. In der Hoffnung, dass eines Tages, wenn ich vor Jesus stehe, auch mein Glaube und meine Herzenshaltung belohnt werden und auch ich, wie die Phönizierin und der Hauptmann damals, die Worte des Herrn höre:

Wie du geglaubt hast, so soll dir geschehen!

(Matthäus Ev. 8,13 und 15,28)

 
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