Denk mal nach: Dein oder Sein Wille geschehe…?
Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich über König Saul nachdenke. Er war von Gott selbst auserwählt. Der erste König des Volkes Israel. Ein Hoffnungsträger! Er hatte einen guten Start, doch nach und nach entfernte er sich immer weiter von Gott.
Am meisten macht es mich betroffen, dass Saul Dinge anscheinend gut gemeint, aber leider schlecht gemacht hatte.
Er dachte, er würde in bestimmten Situationen nach dem Willen Gottes handeln. Doch leider hatte er Gottes genaue Anweisungen nicht konsequent befolgt und enttäuschte so das Vertrauen, das Gott in ihn gesetzt hatte.
Ich denke so oft über König Saul nach, weil ich mich frage, wie ich an seiner Stelle gehandelt hätte. Kann ich denn Gott in allem gehorchen und in voller Abhängigkeit von ihm leben? Es erfordert viel Glauben und Vertrauen, sich auch dann an Gottes Anweisungen zu halten, wenn ich unter Druck gerate. Oder wenn andere Dinge sinnvoller und effektiver oder leichter erscheinen. Das ist eine sehr große Herausforderung und mit Sicherheit ein Prozess.
Wie das geht, lerne ich von Gottes Sohn, Jesus Christus. Bei ihm sehe ich, wie absoluter Gehorsam und komplette Abhängigkeit von Gott aussehen. Besonders deutlich bei seiner Versuchung durch den Teufel. Darüber lesen wir in Kapitel 4 des Matthäus- und Lukasevangeliums.
„Was ist schon dabei, Jesus? Du hast Hunger, also sag diesen Steinen, dass sie zu Brot werden.
Wenn du Gottes Sohn bist, dann hast du das Recht dazu und auch die Macht…“
Nach vierzig Tagen Fasten in der Wüste, wäre es denn nicht verständlich gewesen, wenn Jesus sich was zu essen gemacht hätte? Als Sohn Gottes hätte er die Macht und die Autorität dazu. Doch auch bei so einer selbstverständlichen Sache, selbst beim Stillen eines Grundbedürfnisses, wollte Jesus auf die Zeit warten, die Gott bestimmt hatte, um ihn mit dem zu versorgen, was er brauchte. Er hat alles von Gott dem Vater erwartet und sich ihm komplett untergeordnet. Jesus konnte vertrauen und er konnte warten. Von ihm lerne ich, dass ich nicht vorgreifen muss, um meine Bedürfnisse zu stillen, selbst wenn sie legitim sind. Ich muss auch nicht in Panik geraten, wenn etwas länger dauert, sondern ich kann auf meinen Vater im Himmel vertrauen, dass er das Was, Wie und Wann am besten weiß.
Absoluten Gehorsam und vollkommene Abhängigkeit von Gott zeigte Jesus auch, als er weiter versucht wurde: „Spring vom Tempel herunter und beweise dadurch, dass du Gottes Sohn bist! Er hat versprochen, dich zu beschützen…Ist Gott nun dein Vater, oder nicht?“
Ich frage mich, was der Teufel damit erreichen wollte. Versuchte er etwa, bei Jesus Zweifel zu säen, ob er wirklich Gottes Sohn ist? Wollte er Jesus provozieren, seinen Status als Gottes Sohn zu demonstrieren?
Was auch immer der Teufel wollte, wäre Jesus gesprungen, hätte er Gott seinen Vater versucht, ihn zum Handeln herausgefordert. So wie die Israeliten damals in der Wüste Gott herausforderten, sie mit Wasser und Essen zu versorgen und so zu zeigen, dass er tatsächlich der Herr in ihrer Mitte ist. Eine solche Haltung ist Sünde, sie steht direkt im Gegensatz zu Gottes Anweisung: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen!“ (5. Mose 6,16)
Und das war auch die Antwort Jesu. Er hielt stand und ließ nicht zu, dass Sünde ihn von Gott, seinem Vater, trennte.
Um seinen enorm schwierigen Auftrag zu erfüllen, brauchte Jesus absolute Nähe und eine ungestörte Verbindung zu seinem Vater. Der Sohn Gottes musste ohne Sünde und ohne Schuld sein, um unsere Schuld auf sich zu nehmen und uns Menschen davon zu befreien. Hätte Jesus Gott herausgefordert und dadurch gesündigt, dann wäre er als Retter gescheitert, bevor er mit seinem Werk überhaupt begonnen hätte.
Doch Jesus hat auch diese Prüfung bestanden. Er hat Gott vollkommen vertraut, dessen Treue nicht infrage oder unter Beweis gestellt. Von ihm will auch ich lernen, meinen Gott nicht mit Zweifeln zu versuchen, sondern darauf zu vertrauen, dass er mein Vater im Himmel ist, und zu jeder Zeit der mächtige Herr in meinem Leben.
Der Teufel hatte bei Jesus auch dann keinen Erfolg, als er versuchte, ihn mit der Herrlichkeit dieser Welt auf seine Seite zu ziehen. Er bot Jesus einen leichteren und schnelleren Weg an, wie er auch ohne Leid und ohne Kreuzigung hier auf dieser Erde herrschen könnte. Jesus konnte dennoch widerstehen, denn was ihn bewegte, waren nicht Herrschsucht oder egoistische Ziele, sondern die Liebe zu seinem Vater und zu uns Menschen. Jesus wusste, dass er eines Tages hier auf dieser Erde herrschen wird, aber sein Reich sollte nicht das Reich des Bösen sein, sondern das Reich seines Vaters, ein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit, wo das Böse keinen Platz mehr hat.
Doch dafür musste Jesus diesen unvorstellbaren, qualvollen Weg gehen, der alles von ihm abverlangte. Das war ihm bewusst und er war dazu auch bereit. Jesus war bereit, an unserer Stelle für uns Menschen schmerzvoll zu sterben, damit wir Vergebung für unsere Schuld finden und zusammen mit ihm in seinem ewigen Reich des Friedens leben, für immer!
Jesus hat nicht gekniffen, es sich nicht leicht gemacht. Und ich bitte Gott, dass er mir die Kraft, das Vertrauen und die Treue gibt, damit ich, so wie Jesus, standhaft bleiben kann!
Ja, bei Jesus kann ich sehen und lernen, wie absolutes Vertrauen, absoluter Gehorsam und vollkommene Abhängigkeit von Gott aussehen. Meine Wünsche und Träume, meine Entscheidungen und Schritte sollen durch Gottes Wort gefiltert werden, mit dem Ziel, Gott in allem zu verherrlichen.
Ich schaffe es bei Weitem nicht immer, so zu leben. Ich merke, dass ich mich oft eher wie König Saul verhalte und dass es mir an Glauben fehlt. Aber ich bin nicht auf mich allein gestellt. Meine Hilfe und Kraft kommen von Jesus, der gesiegt hat!
In der Welt werdet ihr bedrängt, aber habt Mut,
ich habe die Welt überwunden.(Jesus in Johannesevangelium 16,33)
Ja, wir sind mehr als Überwinder
durch Den, der uns geliebt hat.(nach Römer 8,37)
