Denk mal nach: Welches Licht siehst du…?
Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie Bibelverse eine klarere Bedeutung bekommen und in einem neuen Licht erscheinen, wenn ich sie im Zusammenhang lese. Die folgenden Verse aus der Bergpredigt von Jesus im sechsten Kapitel des Matthäusevangeliums sind als einzelne Verse sehr bekannt und oft zitiert. Als ich sie aber vor Kurzem wieder im Zusammenhang gelesen habe, ist mir etwas Neues klar geworden.
Jesus sagt: „Die Lampe des Leibes ist das Auge. Wenn nun dein Auge rein ist, so wird dein ganzer Leib hell sein. Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß die Finsternis! Niemand kann zwei Herren dienen, denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird einem anhängen und den anderen verachten.“ Im ersten Vers geht es um das Was und das Wie wir Menschen schauen, um unseren Fokus. Unmittelbar danach, im zweiten Vers, weist Jesus noch darauf hin, dass es nicht wirklich umsetzbar ist, zwei Herren gleichzeitig zu dienen. Was so viel heißt, gleichzeitig zwei Fokusse zu haben, zwei Ziele zu verfolgen, die beide gleichzeitig um Priorität kämpfen.
Der neue Gedanke für mich hier ist dieser: Wenn ich nur dem Herrn dienen will, wenn ich will, dass Gott die erste Stelle in meinem Leben hat, dann muss ich darauf achten, was und wie mein Auge sieht. Was ich mir anschaue und auch wie ich die Dinge betrachte. Denn das Auge ist das Licht des Leibes. Durch die Augen „erreicht“ das Licht das Innere eines Menschen. Wenn das Licht, das in das Innere hineinkommt, kein gutes Licht ist, sondern Finsternis, dann wird das Innere auch finster. In der Welt gibt es große Finsternis und viele Dinge, die ein ganz schlechtes Licht werfen. Wenn ich zulasse, dass durch meine Augen diese Finsternis auch mein Inneres erreicht, dann nimmt die Finsternis ein viel größeres Ausmaß an. Sie ist nicht nur außerhalb von mir, sondern auch in mir selbst. Wie groß ist dann die Finsternis …
Dunkel wird es nicht auf einmal, sondern nach und nach, wie die Nacht kommt. So ist es auch, wenn ich lange auf das Negative schaue und auch auf das, was unangebracht und unanständig ist. Es verdunkelt nach und nach mein Inneres und es verringert immer mehr meine Fähigkeit, klar zu sehen. Jesu Worte hier wollen mich wachsam machen, damit ich meinen Blick bewusst von dem fernhalte, was schlecht ist, und auf das Gute und Reine richte.
Jesus ermutigt mich hier ebenso, die Dinge mit Einfachheit zu betrachten. Denn ein reines Auge kann auch ein schlichtes Auge bedeuten, ein Auge, das die Dinge schlicht betrachtet, sie nicht unnötig kompliziert macht, sondern Gott in allem vertraut wie ein Kind. Ein solches Auge, das auf das Gute schaut und Gott schlicht vertraut, erlaubt dem Licht Gottes, hinein in mein Inneres zu strahlen. Das beeinflusst direkt mein Denken und Handeln, meine Wünsche und Ziele. Und das bestimmt, welchem Herrn ich letztlich in meinem Leben diene …
Habe ich einmal das richtige Licht gefunden und kann ich die Dinge unter Gottes Licht beurteilen, dann ist es enorm wichtig, mich nur auf dieses Licht zu konzentrieren und nicht auf die Dunkelheit um mich herum zu schauen.
Genauso erlebte ich es als Kind in unserem Dorf in einem Bergtal auf Kreta. Damals kamen im Sommer viele Kinder zusammen und spielten draußen bis in die Abendstunden. Unser Haus war das letzte am Rand des Dorfes. Um dahin zu gelangen, musste ich eine kurze Strecke im Dunkeln gehen, auf der keine anderen Häuser standen, vorbei an Olivenhainen und an der Ruine einer Olivenmühle. Weiter weg von der Straßenlaterne war es um mich herum so dunkel, dass ich fast nichts erkennen konnte. Die einzigen Geräusche waren der Wind aus den Bergen und die Rufe der Eulen. Für ein junges Kind ziemlich unheimlich. Ich erinnere mich, wie ich mit schnellen Schritten lief und nur geradeaus schaute, um meine Furcht im Zaun zu halten. Und da war dieses kleine Lichtlein, eine einfache Glühbirne an der Hauswand meiner Tante. Dieses Licht im Dunkeln markierte mein Ziel und gab mir Mut. Bald würde ich zu Hause sein, nur noch ein paar Schritte und die Dunkelheit läge hinter mir …
Das ist für mich ein sehr plastisches Bild, wie wichtig es ist, nur auf das Licht zu sehen. Die Augen fest auf das Licht zu richten und nicht die Schatten zu beachten, die aus der Dunkelheit wie starke Hände nach mir greifen. Probleme, Herausforderungen, persönliche Baustellen, Dinge, die nicht gut laufen, unerfüllte Wünsche und Sehnsüchte, Ängste, Zweifel, Mutlosigkeit und vieles andere können solche Schatten der Dunkelheit sein. Aber ich darf nicht zulassen, dass sie mich von Gottes Licht ablenken, das mein Ziel markiert. Nur so kann ich den Mut und die Kraft, die Wärme und die Hoffnung, die Freude und die Erfüllung erleben, die allein Gottes Licht in mir bewirkt.
Licht hat tatsächlich eine große Anziehungskraft, es zieht die Blicke an sich heran. Das tun leider auch viele falsche Lichter. Lichter, die einen in die falsche Richtung locken. Jesus warnt uns Menschen davor, auf diese falschen Lichter zu schauen, sie in uns hineinzulassen. Denn am Ende werden sie sich als Finsternis entpuppen. Allein Gottes Licht ist das wahre, das richtige Licht.
Doch wie erkenne ich dieses richtige Licht, das mir den richtigen Weg und das richtige Ziel markiert?
Eine Leuchte wäre hier sehr hilfreich. Diese finde ich im Psalm 119:
„Dein Wort ist eine Leuchte vor meinem Fuß und ein Licht auf meinem Weg.“
Gottes Wort ist mein Licht. Die Augen auf dieses Licht auszurichten, heißt zu wissen, was Gott sagt, darauf zu vertrauen und mich davon leiten zu lassen. Gottes Worte und Gedanken, Richtlinien und Ordnungen kann ich in der Bibel lesen. Sie leuchten mir den Weg und zeigen mir wie ein Kompass die richtige Richtung.
Und je mehr ich mich auf dieses Licht verlasse, je mehr ich lerne, nur darauf zu schauen, desto mehr wird dies mein Inneres erhellen und die Schatten der Dunkelheit vertreiben. Damit ich nicht zwei Herren, nicht drei, sondern nur einem Herrn diene, Gott dem Herrn!
Pass auf, mein Auge, was du siehst!
Lass keine Finsternis in mich hinein, sondern nur Gottes Licht.
Damit du, mein Herz, allein dem Herrn anhängst und nur ihm dienst…
(nach Matthäus Ev. 6,22-24)
