Hiobs-Botschaft voller Hoffnung

Denk mal nach: Willst du in der Asche sitzen bleiben?…

Was kann einen Menschen soweit bringen, dass er sich den Tod wünscht? Was brachte Hiob dazu? Wie kam’s zu diesem furchtbaren Bild, das Hiobs Freunde ansehen mussten, als sie ihn besuchten?

Im Alten testament, im Buch Hiob, Kapitel 2 lesen wir: „Als Hiobs Freunde von all dem Unglück hörten, das ihn getroffen hatte, wollten sie ihm beistehen und ihn trösten. So machten sie sich auf den Weg, ihn zu besuchen. Sie sahen ihn schon von ferne, doch sie erkannten ihn nicht. Als sie näherkamen, sahen sie, dass es Hiob war. Er saß auf einem Haufen Asche. Und dann fingen sie an, laut zu weinen. Sie zerrissen ihre Kleider und warfen Staub in die Luft und auf ihre Köpfe. Sie setzten sie sich neben ihn auf die Erde. Sieben Tage und sieben Nächte blieben sie bei ihm sitzen, ohne ein Wort sagen zu können, denn sie sahen, wie furchtbar ihr Freund litt…“

Hiob saß in der Asche. Mir fällt der Spruch ein: „Asche zu Asche“. Asche ist das, was von dem übrig bleibt, was mal gewesen ist. Asche ist das, was ganz am Ende übrigbleibt. Und Hiob war am Ende. Er hatte alles verloren. Schwerkrank, entstellt, von furchtbaren Schmerzen gezeichnet, ein Häufchen Elend. Ein Häufchen Elend auf einem Haufen Asche. Was für ein Bild…Dieser Anblick war so entsetzlich, dass er Hiobs Freunden sieben Tage lang die Sprache verschlug! Was ist passiert?

Hiob war ein gottesfürchtiger Mensch. Gott selbst sagte über ihn: „Es gibt keinen wie ihn auf Erden. Ein Mann, so rechtschaffen und aufrichtig, der Gott fürchtet und das Böse meidet.“ Was für ein Lob, und das aus dem Mund Gottes!

Hiob war von Gott sehr gesegnet. Mit Familie, Kindern und vielen Gütern. Er gehörte zu den Glücklichen auf dieser Welt, was nicht selbstverständlich ist. Hiob wusste das und war Gott sehr dankbar. Nicht nur das. In seinem Leben ehrte und achtete Hiob Gott und es war ihm sehr wichtig, dass er und alle in seinem Haus ein gottgefälliges Leben führten.

Kein Wunder, würden manche sagen, dass Hiob von Gott so gesegnet wurde. Er hatte es ja auch verdient…

Einige wiederum, hätten andere Hintergedanken: Kein Wunder, dass Hiob in seinem Leben Gott achtete. Ihm ginge es ja auch prächtig! Ihm ist alles in den Schoß gefallen…

Genauso sah es auch Satan. Er, der seit Urzeiten der Ankläger und Versucher der Menschen ist, nahm nun Hiob ins Visier: Mal sehen, ob er Gott die Treue hält, nicht nur in guten, sondern auch in schlechten Zeiten. Auch dann noch, wenn ihm alles weggenommen wird… Gott ließ diesen Test zu. Und so kam es, dass sich das Blatt wendete.  

Auf einen Schlag wurden Hiobs Diener und sein Viehbestand vernichtet. Der zweite Schlag war noch heftiger: Hiob verlor alle seine Kinder. Der Schock und die Trauer warfen ihn zu Boden. Doch dort am Boden tat Hiob etwas, was nicht viele Menschen tun können. Er betete Gott an und sagte die Worte, die bis hin zu unserer Zeit nachklingen: „Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen. Der Name des Herrn sei gelobt!“

Hiob bewies der sichtbaren und unsichtbaren Welt, dass es einen Glauben geben kann, der nicht von der Lebenssituation abhängt, sondern aus dem Herzen eines Menschen kommt, der Gottes Souveränität anerkennt. Hiob bestand diese Prüfung. Das reichte dem Widersacher aber nicht. Nicht umsonst heißt es im ersten Petrusbrief, dass der Teufel wie ein brüllender Löwe umhergeht und sucht, wen er verschlingen kann. Satan wollte Hiob auf einer höheren Ebene prüfen. Was würde Hiob tun, wenn es an die eigene Substanz ginge? Würde er Gott dann immer noch die Treue halten? Eine noch härtere Prüfung begann.

Hiob wurde darauf selbst krank. Schwerkrank. Zu dem unvorstellbaren, erdrückenden seelischen Schmerz kam nun auch der unerträgliche physische Schmerz. Hiobs Tragödie erreichte hier ihren Höhepunkt. Nun sitzt er in der Asche. Und dort finden ihn seine Freunde. Betroffen von seinem unermesslichen Leid wollten Hiobs Freunde ihm beistehen. Doch sie konnten ihm nicht helfen. Stumm trauerten und weinten sie mit ihm sieben Tage lang.

Ich kann ihr Entsetzen und Mitleid gut nachvollziehen. Hiob war einer höheren Gewalt ausgeliefert. Machtlos gegenüber der Bosheit des Feindes. Und zu allem Übel kam die nagende Frage: Warum hat Gott, den Hiob in seinem Leben immer geehrt hatte, der gerechte Geber und Versorger, ihn verstoßen? Für einen Menschen, der seine Hoffnung auf den Herrn setzt, ist dieses Gefühl, von Gott verlassen zu sein, das, was die Seele am meisten zermürbt. Ich kann mir vorstellen, dass dies Hiobs Not noch unerträglicher machte.

Was darauf folgte, gibt uns einen Einblick in die Seele eines Menschen, der unvorstellbares Leid durchmachen muss. Das ist kein einfaches Selbstmitleid, was wir da sehen, sondern eine Traurigkeit, die vom tiefsten Grund der Seele kommt. Verbunden mit großer Enttäuschung, Ratlosigkeit und Verzweiflung.

Es muss viel geschehen, bis ein Mensch sich den Tod wünscht, bis der Selbsterhaltungstrieb und der Wille zum Überleben gebrochen werden. Hiob hatte nun diesen Punkt erreicht. Er zerbrach unter der großen Last. Er verfluchte den Tag, an dem er geboren wurde und wünschte sich, dass es diesen Tag nie gegeben hätte. Ja, dass sogar Gott selbst diesen Tag vergessen würde. Im Angesicht seines immensen Leids sah Hiob keinen Sinn mehr zum Weiterleben. Er schrie sich seine Verzweiflung und Ratlosigkeit aus der Seele heraus: Warum war er geboren? Warum war er nicht schon im Mutterleib gestorben? Wenn Gott, wie es schien, ihn verstoßen hatte, wieso lebte er dann noch?

Hiobs Geschichte berührt mich sehr. Besonders, wie plötzlich und mit welcher Wucht ihn das Unglück traf! Ich kenne gute Zeiten. Da läuft vieles gut. Ich kenne aber auch diese kleinen Wolken, während die Sonne noch scheint. Gedanken, die sich immer wieder anschleichen und die ich schnell verdränge: Wie lange wird es weiter so gut laufen? Kommt bei mir auch irgendwann der Sturm nach der Ruhe? Ich kann mit Hiob mitfühlen, denn auch er hatte solche Ängste, die bei ihm allerdings Wirklichkeit wurden. In Vers 25 sagt er: „Was ich gefürchtet habe, ist über mich gekommen, und wovor mir graute, hat mich getroffen.“

Wie viele Menschen befinden sich in einer solchen Lage? Plötzlich und ganz unerwartet sind die guten Zeiten vorbei. Das Schicksal schlägt unbarmherzig zu und sie fühlen sich hilflos und verlassen. Der schwere Weg ist lang, sie wünschen sich sehnlichst ein Ende, doch das will nicht kommen. Die Frage, warum solche Dinge geschehen und welchen Sinn das alles hat, wird bleiben, bis wir einmal Gott sehen und dann das gesamte Bild erkennen. Glücklich kann sich aber schätzen, wer schon auf dieser Welt, trotz schwerer Zeiten weiterhin auf Gott hofft und ihn nicht loslässt! Selbst mit einem gebrochenen Herzen! Denn bei wem sonst könnten wir Trost und Kraft finden, um durchzuhalten, als bei dem, der nur mit einem Wort alles verändern und wieder aufrichten kann? Wohin sonst sollen wir gehen, als zu dem, der das Herz heilen kann? Wenn wir Gott verlieren, haben wir alles verloren…

Hiob ist unter der schweren Last zerbrochen. So, wie viele andere. Aus Schmerz und Verzweiflung ging er sogar so weit, Gott selbst anzuklagen. Doch ich kann von Hiob so viel Wertvolles lernen! Trotz der schwersten Not und des unermesslichen Leids, trotz des großen Warums, erkannte er schließlich, wie groß und souverän Gott der Allmächtige ist. Hiob bat Gott, sein törichtes Anmaßen zu vergeben. Er konnte Gottes Wege in seinem Leben nicht erklären, aber er akzeptierte sie. Er gab sich Gott vollkommen hin und kapitulierte. Nun war der Keil zwischen ihm und Gott verschwunden. Hiob konnte sich Gott, seinem Schöpfer und Versorger, neu öffnen und ihm wieder vertrauen. Das war der Moment, in dem die Hoffnung in Hiobs leerem Herzen wieder erwachen konnte. Der Moment, in dem Gott Hiob aus dem Aschenhaufen zog und die Asche von ihm abklopfte.

Und mir wird dadurch etwas klar: Wenn ein Mensch erkennt und akzeptiert, dass er von Gott, dem Höchsten, vollkommen abhängig ist, kann Gott sein gebrochenes Herz wieder aufrichten und mit Hoffnung und Zuversicht neu füllen. Manchmal erst dann… Und das ist vielleicht eine der wichtigsten Lektionen für mein Leben.

Wie die Geschichte weitergeht? Das steht in der Bibel, im letzten Kapitel des Buches Hiob. Nur so viel sei gesagt: Es gab ein Happy End, das allerdings kein richtiges Ende ist. Denn wer in diesem Leben mit Gott geht, für den gibt es niemals ein Ende…

Herr, ich habe erkannt, dass Du alles kannst.
Kein Plan ist unmöglich für Dich.
Herr, ich habe Dein Tun hinterfragt, von Dingen geredet,
die zu hoch für mich sind und die ich nicht begreife.
Ich kannte Dich nur vom Hörensagen,
aber jetzt haben Dich meine Augen gesehen…

(Hiobs Bekenntnis, aus dem Buch Hiob, Kapitel 42)

Eine ältere Fassung dieser Andacht wurde am 23.10.2019 vom Radiosender ERF Plus
in der Sendung ‚Bibel heute‘ ausgestrahlt.

Um sie anzuhören, bitte den Button unten klicken.

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